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der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Petterweil Nr. 116 Juli/August 2003 |
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Urlaub.....
(von Pfarrer Michael Neugber)
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Liebe Gemeinde, ”Ich möcht so gern auf Urlaub geh’n, auf Urlaub geh’n, das ist so schön...“ Es lag wohl nicht nur an den im Dampf - Lokomotiven-Takt gesprochenen Worten, weswegen ich im Kleinkindalter die Platte ”Lok 1414 geht auf Urlaub“ auswendig aufsagen konnte. ”Auf Urlaub geh’n“: Das hieß für mich: Die Welt entdecken als meine Welt, im wahrsten Sinne mit meinen Händen zu begreifen, den Sand am Strand, den Matsch im Watt, das Wasser auf der Haut, in den Bergen mit Quellwasser spielen und Steine kullern lassen.... Ehe Lok 1414 ihr Abenteuer genießen kann, schnauft sie ermattet: ”Ich bin so müd’, ich kann nicht mehr, seht ihr denn nicht, ich kann – nicht – mehr...“ Später, berufstätig und gefangen im Stress unserer Zeit, konnte ich dies sehr gut nachfühlen und verstand dann auch die Worte meiner Mutter: ”Lieber Gott, lass Abend werden, möglichst noch vor’m Frühstück!“ ”Ich möchte’ so gern auf Urlaub gehen, ich bin so müd...“ Urlaub! Dem Alltag entfliehen, nur weg hier, raus aus der Tretmühle, abschalten, weg sein... ”Ich möchte Urlaub“ – Mit diesem Wort erbat einst ein Ritter vom König oder ein Landsknecht vom Vorgesetzten: Ich möchte für eine Zeit freigestellt sein vom kämpferischen Geschäft, ich möchte nach Hause gehen dürfen, dort, wo meine Familie und Freunde und Nachbarn sind, wo ich aufgewachsen bin und meine Wurzeln liegen...Urlaub bedeutet demnach ursprünglich: Nach Hause kommen, zu sich finden, seine Wurzeln spüren, wissen, wohin man eigentlich gehört, wozu man lebt...Urlaub = sich wieder entdecken als... ja, als was? Der Monatsspruch für August gibt einen Hinweis: Wir sind schlicht und ergreifend geliebt. Gott will, dass es uns gibt, er teilt seine große Würde mit uns, eine jede und ein jeder ist auf alle Fälle würdig, da zu sein.Urlaub – das könnte heißen: Nicht nur irgendwo in der Ferne, sondern hier, mitten im normalen Leben, stelle ich mich hin, schaue mich um und sage mir diesen einen Satz: Ich bin ein geliebtes Kind Gottes. Ich finde zu mir selbst – weil Gott im Mutterleib schon zu mir gefunden hat. So einfach geht Urlaub – und manchmal ist es das Einfachste, das am längsten braucht, wirklich entdeckt und begriffen zu werden. Die todmüde Lok 1414 soll als Alteisen verschrottet werden – die Liebe des Lokführers öffnet ihr den Weg in ihren Urlaub. Dort begegnet sie (zunächst unbewusst) der Liebe, die sie geben und empfangen kann. Schließlich kommt die alte Lok wieder nach Hause – und trägt neu in sich die Kraft dieser Liebe und damit eine tiefe, neue Lebensfreude. Als ob ihr Urlaub nun so richtig beginnt... Seht, welch eine Liebe – wir: Gottes Kinder! Und ist da nicht auch noch der 7. Tag als Liebeszeichen Gottes, um sich und die Menschen um einen herum wieder zu finden? Gott segne Sie mit ”Urlaub“ Ihr Pfr. Michael Neugber |